ZNS-Konsil

Das telemedizinische Konsil der Kassenärztlichen Vereinigungen in Zusammenarbeit mit den neuropsychiatrischen Berufsverbänden (BVDN, BDN und BVDP) vernetzt Ärzte, die Patienten mit neuropsychiatrischen Erkrankungen betreuen, mit Experten aus den Fachgebieten Neurologie und Psychiatrie.

Das ZNS-Konsil in der Praxis

Das ZNS-Konsil können Ärzte nutzen, um ihre Patienten einem Facharzt vorzustellen und gemeinsam zu behandeln.

Telemedizin

Eine telemedizinische Beratung kommt für solche Indikationen in Betracht, bei denen eine persönliche Vorstellung des Patienten bei einem Experten nicht zwingend notwendig ist.

Vorteile für Patienten

Für Patienten bietet das ZNS-Konsil den Vorteil, dass die Zahl der notwendigen Termine und die damit oft verbundenen langen Anfahrten und Wartezeiten bei einem Facharzt reduziert werden können.

Hintergrund

Die Zahl der Menschen mit psychischen und neurologischen Erkrankungen in Deutschland steigt seit Jahren an. Ein Hauptgrund dafür ist die demographische Entwicklung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist fast die Hälfte (40,9%) der Einwohner in Deutschland über 50 Jahre alt, rund jede fünfte Person in Deutschland ist 65 Jahre oder älter (21,4%).

In der Folge steigt auch die Zahl der Menschen mit neurologischen Erkrankungen bzw. Erkrankungen des zentralen Nervensystems. So geht die Alzheimer Gesellschaft davon aus, dass Deutschland etwa 1,7 Millionen Menschen (Stand Juni 2018) mit Demenz leben – Tendenz steigend.

Auch auf die Arbeitswelt hat die Zunahme psychischer und neurologischer Erkrankungen gravierende Auswirkungen. Laut Gesundheitsreport der Barmer entfielen 2017 19,1% der Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland auf psychische Störungen. Bei den für die Fehlzeiten relevantesten Krankheitsarten nehmen psychische Störungen gleich hinter den Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (21,9%) den zweiten Platz ein.

Der Kassenärztliche Bundesvereinigung zufolge sind in Deutschland 3.782 Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, 1.425 Fachärzte für Neurologie und 1.615 Fachärzte für Nervenheilkunde ambulant tätig. Die Praxen sind nicht gleichmäßig verteilt. So finden Patienten mit psychischen Störungen in Städten und im Süden Deutschlands i.d.R. eine bessere Versorgung. In den alten Bundesländern herrscht sogar eine doppelt so hohe Angebotsdichte im Vergleich zu den neuen Bundesländern (F. Jacobi et al., Nervenarzt 2016). Der Versorgungsatlas geht davon aus, dass die relative Beanspruchung für viele Fachärzte, die vor allem mit älteren Menschen zu tun haben, wie z.B. Nervenärzte, bis zum Jahr 2035 zunehmen wird. 

Telemedizinisches ZNS-Konsil

Um die medizinische Versorgung der Betroffenen auch für die Zukunft sicher zu gewährleisten, haben Kassenärztliche Vereinigungen zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Nervenärzte, dem Berufsverband Deutscher Neurologen und dem Berufsverband Deutscher Psychiater und der BARMER Ersatzkasse ein telemedizinisches Expertenkonsil für neurologische und psychiatrische Erkrankungen in Deutschland entwickelt.

Patienten, bei denen bei ihrem erstbehandelnden Arzt (Hausarzt, Gynäkologe etc.) der Verdacht auf eine Erkrankung des Zentralen Nerven-Systems (ZNS) gestellt wurde, können mithilfe des ZNS-Konsils einem entsprechenden gebietsärztlichen Facharzt vorgestellt werden. Innerhalb von 24 Stunden erhält der anfragende Arzt eine entsprechende Behandlungsoption oder weiterführende Diagnosempfehlung vom angefragten Neurologen oder Psychiater.

Die Anfragealgorithmen wurden von Experten der beteiligten Berufsverbände entwickelt und beinhalten die jeweils gültigen medizinischen Leitlinien. Damit verfügt das telemedizinische Konsil über die aktuell besten Behandlungsstandards für die ausgewählten Indikationen. Ziel ist es, die Zahl der tatsächlich notwendigen Facharztbesuche zu reduzieren und gleichzeitig die möglichen Behandlungsoptionen für die niedergelassenen hausärztlich tätigen Ärzte wohnortnah zu erhöhen sowie die Qualität der Behandlung zu verbessern. Damit können lange Anfahrtswege und Wartezeiten für betroffenen Patienten reduziert werden.

Für Patienten, die noch im Arbeitsprozess stehen, können die Arbeitsunfähigkeitszeiten (AU-Zeiten) verkürzt werden. Insbesondere für die Versorgung von immobilen älteren multimorbiden Patienten kann ein solches telemedizinisches Versorgungsangebot hilfreich sein.